Fußballnationaltorhüter Robert Enke ist tot. Mit gerade 32 Jahren hat der gebürtige Thüringer am Abend des 9. Novembers 2009 seinem Leben selber ein Ende gemacht und Suizid begangen.
Enke litt seit 2003 unter schweren Depressionen, dies gab einen Tag nach dem Suizid seine Ehefrau Teresa zusammen mit Enkes langjährigen Arzt Valentin Markser auf einer Pressekonferenz in Hannover bekannt. Der achtmalige A-Nationalspieler hinterlässt neben seiner Frau auch die acht Monate alte Tochter Leila, die das Paar im Mai adoptiert hatte. Vor drei Jahren verlor das Ehepaar Enke ihre Tochter Lara, die an einem angeborenen Herzfehler litt.
Oberflächlich mangelte es Robert Enke an nichts: Geld, Ruhm und Anerkennung sowohl als Sportler als auch als Mensch waren ihm zu Teil. Er galt als belesen, intelligent und als Mensch mit einer großen sozialen Ader. Er engagierte sich für kranke Kinder und setze sich für den Tierschutz ein. In Hannover war er Publikumsliebling und auch im Kreise der Nationalspieler hoch angesehen und beliebt. Doch das war nur die eine Seite des Menschen Robert Enke.
Zurückgeworfen wurde er durch sportliche Enttäuschungen wie etwa mit dem Wechsel zum FC Barcelona nach Spanien oder zu Fenerbahce Istanbul in die Türkei. Auch Verletzungen standen dem Modelathlten immer wieder im Wege. Jedoch kämpfte sich immer wieder zurück. Sechs Tage nach dem tragischen Tod seiner Tochter Lara stand Enke wieder für seinen Club Hannover 96 zwischen den Pfosten.
Dennoch sah Enke am Ende keinen anderen Ausweg mehr, als seinem Leben ein Ende zu machen. Robert Enke war krank und ist damit kein Einzelfall – schätzungsweise 4 Millionen Menschen leiden allein in Deutschland an der Volkskrankheit Depressionen. In unserer heutigen (Leistungs-)Gesellschaft stellen Depressionen jedoch immer noch ein Tabu-Thema da. Nicht wenige Menschen sehen sie als Schwäche, nicht als Krankheit an. Eine “tödliche Schwäche” wie “ZEIT-ONLINE” es formuliert.
Robert Enke hatte Angst seine Krankheit publik zu machen. Er hatte Angst aufgrund seines Seelenleidens seine Adoptiv-Tochter zu verlieren, vielleicht auch an Ansehen. Enkes Berufskollege Sebastian Deisler wagte im Jahr 2003 den Schritt und “bekannte” sich öffentlich, auch er litt jahrelang an Depressionen und zerbrach am Leistungsdruck seines Berufes. Deisler beendete mit 27 Jahren seine Laufbahn und verarbeitet seine Krankheit in einem Buch.
Der Tod Robert Enkes hat tiefe Bestürzung in ganz Deutschland ausgelöst. Dabei steht vor allem die Frage nach dem “warum” im Raume. Was treibt einen Menschen zu solch einem Schritt? Ist der Freitod der einzige Ausweg aus einem Leiden? In Deutschland begehen schätzungsweise 8000 Menschen im Jahr Suizid. Vielleicht könnten Robert Enke und zehntausende anderer Menschen noch leben, würde die Gesellschaft Depressionen als das ansehen was sie sind – nämlich als eine Krankheit und nicht als Problem.
In Gedenken an Robert Enke.
