Fast fünf Monate hat der Internationale Sportgerichtshof CAS gebraucht, um die im Juli verhängte Sperre gegen Eisschnellläuferin Claudia Pechstein zu bestätigen, mehrmals wurde die Verhandlung aufgeschoben. Beendet scheint der Prozess gegen die fünfmalige Olympiasiegerin damit nicht, ihre Anwälte kündigten bereits den Gang vor das Schweizerische Bundesgericht in Lausanne an.
Zur Erinnerung: am 3. Juli sperrte der Eislauf-Weltverband ISU die 37-jährige Berlinerin wegen auffälliger Blutwerte für zwei Jahre. Dagegen war Pechstein vor dem CAS, dem obersten Sportgericht, in Berufung gegangen. Viel mediale Beachtung fand der Fall vor allem deshalb, weil erstmals eine Athletin nur aufgrund von Indizien gesperrt wurde. Eine positive Dopingprobe oder gar ein Geständnis Pechsteins gibt es bis heute nicht. Einzig die teils ungewöhnlich hohe Zahl von ganz jungen roten Blutkörperchen (Retikulozyten) Pechsteins im Verlauf der vergangenen Jahre, bewog den ISU dazu, die schnelle Frau auf Kufen aus dem Verkehr zu ziehen.
Das Urteil aus Lausanne könnte einen Meilenstein im Anti-Doping-Kampf sein, weil Athleten künftig nur aufgrund von Indizien mit einer Dopingsperre belegt werden könnten. Ganz neu ist diese Vorgehensweise jedoch nicht. Im Juni leitete der Radsportweltverband UCI bereits Dopingverfahren gegen fünf Fahrer ein, deren Blutprofile über längere Zeit Auffälligkeiten aufgewiesen hatten. Zumindest beim Italiener Francesco de Bonis waren die Auffälligkeiten begründet: der ehemalige Gerolsteiner-Profi konnte durch gezielte Kontrollen des Dopings mit CERA beim Giro d’Italia überführt werden.
Der Richterspruch des CAS könnte dem Umgang mit potentiellen Dopingsündern eine neue Dimension verleihen und den Rechtsgrundsatz “in dupio pro reo” (im Zweifel für den Angeklagten) außer Kraft setzen. Die Beweispflicht wird dem Sportler zugeschoben, Kritiker sehen dies durchaus kritisch. Auf der anderen Seite kommen dauerhaft veränderte Blutwerte nicht von ungefähr – es sei denn die Veränderungen sind nachweislich krankheitsbedingt. Die Werte Pechsteins gelten nach Expertenansicht als hoher Indikator für Blutmanipulation, sprich Eigenblutdoping. Vielleicht führt der Präzedenzfall “Pechstein” auch zu einem Umdenken der “Dopingkultur” der Sportler. Zu wünschen wäre es.