Jetzt scheint der Fußball-Wettskandal auch im Land des Europameister angekommen zu sein: rund 300 Spieler sollen in illegale Wetten und in den Kauf von Ergebnissen verwickelt sein. Und was passiert auf der iberischen Halbinsel? Herzlich wenig – die Staatsanwaltschaft ermittelt bisher noch nicht, der spanischen Fußball-Verband (RFEF) nahm die Ermittlungen erst auf, nachdem die Europäischen Fußball-Union (UEFA) ihn dazu aufgefordet hatte.
Die Verdunkelungspolitik der Spanier ist nicht wirklich neu. Gleiches “Verfahrensweise” legte bereits der spanische Radsport-Verband (RFEC) an den Tag, der sich trotz erdrückender Beweislast weigert, ein Dopingverfahren gegen den heimischen Radsporthelden Alejandro Valverde einzuleiten. Zumindest auf italienischen Straßen wurde der Caisse d’Epargne-Profi aufgrund seiner Verbindung zum Madrider Dopingarzt Eufemiano Fuentes (”Operación Puerto”) durch das Nationale Olympische Komitee Italien (CONI) gesperrt. Innerhalb der Landesgrenzen genießt Valverde hingegen weiterhin allergrößtes Ansehen und darf sich im September sogar noch als Sieger der einheimischen Landesrundfahrt Vuelta feiern lassen. Eine Klärung durch den Internationale Sportgerichtshof CAS der “causa Valverde” wurde vor kurzem erneut aufgeschoben. Es bleibt zu hoffen, dass der spanische Fußball-Verband bei den Fußballern mehr Aufklärungsbedarf sieht als bei ihren radelnden Sportidolen. Also bitte ein wenig mehr Fingerspitzengefühl mit Sportbetrügern liebe Spanier.