Dass Entscheidungen des Internationalen Sportgerichtshofs CAS mitunter nicht immer plausibel erscheinen, haben die Richter aus dem schweizerischen Lausanne nun schon des Öfteren mit fragwürdigen Urteilen eindrucksvoll bewiesen.
So bleibt es bis heute das Geheimnis der Richter der obersten Instanz der Sportgerichtsbarkeit, wieso der brasilianische Schwimmstar Cesar Cielo bei den Weltmeisterschaften im Juli vergangenen Jahres in Shanghai starten durfte, obwohl ihm eindeutig die Einnahme der verbotenen Substanz Furosemid nachgewiesen werden konnte. Die Argumentation Cielos, das verbotene Mittelchen sei unwissentlich in seinen Körper gelangt, überzeugte die CAS-Richter scheinbar vollends und so wurde der Doppel-Weltmeister rechtzeitig zu den transnationalen Titelkämpfen in einem Eilverfahren von aller Schuld freigesprochen. Doch was der CAS nun in der Dopingangelegenheit “Alberto Contador” veranstaltet, stellt alles bis dato Dagewesene in den Schatten.
Im Juli 2010 wurde der dreifache spanische Tour-de-France-Sieger an einem Ruhetag der 97. Frankreich-Rundfahrt positiv auf Clenbuterol getestet. Doch wie Schwimmer Cielo konnte sich auch der Straßenrad-Branchenprimus nicht erklären, wie das luftspendende Asthmamittel in seinen drahtigen Körper gelangen konnte. Da das Mittel illegalerweise auch in der Rinderzucht verwendet wird, lag es nahe, die verbotene Substanz auf verunreinigtes Fleisch in Form eines Steaks aus Contadors Heimat Spanien zurückzuführen. Seit bald einem Jahr liegt die Akte Contador nun auch auf den Schreibtischen der Lausanner Richter. Da Contadors nationaler Verband RFEC seinen Helden nicht zu seinen eigenen Ungunsten demontieren wollte, sprach man diesen nach einer Kurzzeitsperre einfach wieder frei. Mit diesem Urteil wollte sich jedoch weder der Radsport-Weltverband UCI noch die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA so recht anfreunden. So kontaktierte man unisono den CAS, der sich seitdem von einer Terminaufschiebung zur nächsten hangelt. Mit einem Berg von Gutachten und Zeugen versuchte die Contator-Verteidigung in der viertägigen Anhörung Mitte November, die Unschuld ihres berühmten Mandanten eindrucksvoll zu beweisen. Ursprünglich sollte noch vor Beginn der Tour de France 2011 ein Urteil gesprochen werden. Nun soll Ende Januar darüber entschieden werden, ob Contador doch noch von der Straße geholt wird oder ob er munter weiterradeln darf – Medienberichte hatten die Lausanner Richter angeblich kurz vor der geplanten Urteilsverkündigung wankelmütig gemacht – ein Schelm wer Böses dabei denkt.
Mit seiner Hinhaltetaktik hat der CAS sowohl dem Radsport als auch dem Kampf gegen Doping einen Bärendienst erwiesen – Glaubwürdigkeit? Fehlanzeige! Vielmehr werden potentielle Sportbetrüger dazu ermutigt, gegen Urteile ihrer nationalen Verbände anzugehen und auf die Gnade des CAS zu spekulieren. Es bleibt zu hoffen, dass die Tour de Farce in Lausanne möglichst schnell die Zielgerade erreicht, um einem ernst gemeinten Anti-Doping-Kampf nicht vollends, den sowieso immer mehr schwindenden Boden unter den Füßen wegzuziehen.
